Zu Besuch bei der Osterkerzenmacherin

Maria Hasenknopf verziert Osterkerzen für alle Kirchen des Pfarrverbandes Stiftsland Berchtesgaden mit einem einheitlichen Motiv

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Seit dem vergangenen Jahr gibt es in allen Kirchen unseres Pfarrverbandes Osterkerzen, die alle eine einheitliche, besonders schmuckvolle Verzierung haben. Verantwortlich für dieses besondere, jährlich wechselnde Dekor ist Maria Hasenknopf, die 1993 ihre ersten Osterkerzen-Erfahrungen sammelte, als sie zusammen mit anderen Frauen für den vom Katholischen Frauenbund veranstalteten Osterbasar bastelte. Seit dem Jahre 2009 fertigte sie jedes Jahr die Osterkerze für die Stiftskirche an. In diesem Jahr verziert sie zum zweiten Mal alle Osterkerzen im Stiftsland: Die größte Kerze in der Stiftskirche ist 100 cm lang, die Kerzen in der Pfarrkirche, in der Franziskanerkirche, in Maria am Berg, in Au und in Marktschellenberg sind 80 cm lang, die Kerzen in Maria Gern, Ettenberg und in der Buchenhöhe sind 60 cm lang. Dazu kommen kleinere Kerzen für Hilgerkapelle, Felicitas-, Bürgerheim- und Krankenhauskapelle, die von Gemeindereferentin Gabriele Hartmann verziert werden. Sie bereitet auch die Osterkerzen zum Selberbasteln vor - diese können mit vorgefertigten Dekor-Teilen und einer Anleitung beim Fastensuppenessen am 26. März im Pfarrheim erworben werden. Auch die Frauenbundfrauen von Berchtesgaden und Marktschellenberg basteln jedes Jahr kleine Osterkerzen für den Verkauf, teilweise mit einem dem Stiftsland-Motiv angenäherten Dekor. Daneben verzieren auch die Firmbewerber und Erstkommunionkinder Osterkerzen für zu Hause.

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Die Kerzen-Rohlinge werden im Fachhandel gekauft, dann geht Maria Hasenknopf an die Verzierung. Die Schmuck-Elemente stellt sie selbst aus reinem Bienenwachs her. Dazu erhält sie von einem Inker einen Block Bienenwachs.

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Das zähe und sehr harte Wachs muss sie zunächst mithilfe von Messer und Hammer in kleine Stücke zerkleinern.

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Die zerkleinerten Bienenwachsbrocken werden im Wasserbad eingeschmolzen und dann in dünne Wachsplatten gegossen. Ehe aus einer solchen Wachstafel die einzelnen Dekor-Elemente herausgeschnitten werden können, muss die Tafel wieder erwärmt werden, damit sie beim Bearbeiten nicht bricht. Danach werden die Buchstaben und sonstigen Verzierungselemente fein bearbeitet und geglättet.

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Schließlich werden die Schmuck-Elemente noch mal erwärmt und mit Klebewachs auf die Kerzen-Rohlinge aufgebracht.

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Auf Wunsch von Pater Peter Linster SJ, Präses der Marianischen Männerkongregation in München, hat Maria Hasenknopf in diesem Jahr auch eine Osterkerze für die Bürgersaalkirche in München angefertigt, die mit einer Pieta verziert ist.

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Für Maria Hasenknopf ist das Osterkerzenbasteln, wie sie betont, keine Arbeit, sondern im Gegenteil eine Bereicherung. Sie freut sich, ihr Talent zur Ehre Gottes einsetzen zu können, und bei der Erfüllung dieser Aufgabe fühlt sie sich, so sagt sie, wirklich gut. "Das Osterkerzenbasteln ist für mich wie ein Gebet."  

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Das diesjährige Motiv der Stiftsland-Osterkerze, das von Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob vorgeschlagen worden war, zeigt ein symbolisiertes Kreuz, in dessen Mitte sich ein Weizenkorn befindet, aus dem eine goldene Ähre herauswächst: Aus dem Kreuz erwächst Leben. Alle Elemente sind rot (Farbe der Liebe, Blut Christi) und goldfarben (Auferstehung). Die fünf vergoldeten Nägel können übrigens herausgenommen werden, um in der Osternacht jeweils ein Weihrauchkorn einzufügen. "Durch seine heiligen Wunden - die leuchten in Herrlichkeit - behüte uns - und bewahre uns - Christus, der Herr. Amen."

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"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." (Joh 12,24)

Jesus hat aus Liebe zu uns sein Leben hingegeben. Die Frucht seines Sterbens ist das Leben, das wir bei ihm finden.

 

GEBET

Herr Jesus Christus, in der Grablegung hast du den Tod des Weizenkorns auf dich genommen, bist zum gestorbenen Weizenkorn geworden, das Frucht trägt durch alle Zeiten und in die Ewigkeit hinein. Vom Grab her leuchtet über alle Zeit hinaus die Verheißung des Weizenkorns, aus dem das wahre Manna kommt - das Brot des Lebens, in dem du dich uns selber gibst. Das ewige Wort ist durch die Fleischwerdung und den Tod hindurch das nahe Wort geworden: Du legst dich in unsere Hände und in unser Herz, damit dein Wort in uns wachse und Frucht bringe. Du schenkst dich durch den Tod des Weizenkorns hindurch, damit auch wir wagen, unser Leben zu verlieren, um es so zu gewinnen; damit auch wir uns der Verheißung des Weizenkorns anvertrauen. Hilf uns, dein eucharistisches Geheimnis immer mehr zu lieben und zu verehren - wahrhaft von dir, dem Brot des Himmels zu leben. Hilf uns, dein "Wohlgeruch" zu werden, die Spur deines Lebens fühlbar zu machen in dieser Welt. Wie das Weizenkorn aufsteht aus der Erde als Halm und Ähre, so konntest auch du nicht im Grabe bleiben: Das Grab ist leer, weil er - der Vater - dich "nicht der Unterwelt preisgibt und dein Leib die Verwesung nicht schaut" (Apg 2,31; Ps 16, 10 LXX). Nein, du bist nicht verwest. Du bist auferstanden und hast dem verwandelten Fleisch Raum im Herzen Gottes gegeben. Lass uns dieser Hoffnung froh werden und sie freudig in die Welt hineintragen, Zeugen deiner Auferstehung sein.

Joseph Kardinal Ratzinger
(Kreuzwegandacht am Karfreitag 2005 im Kolosseum Rom)

 

 

Andreas Pfnür

 

 

 

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