Minis in der ewigen Stadt

„Griaß Euch Gott – schee dass do seids!"

Ein Tag – zwei Päpste:
Begegnung mit Papst Benedikt XVI. als „Highlight“

Zwei große Busse brachten eine 104-köpfige Schar von Ministrantinnen und Ministranten, einigen Eltern und Seelsorgern aus dem Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden in die Ewige Stadt Rom. Das einfache Quartier, ein Campingplatz, war zur großen Freude aller mit einem großen Swimmingpool ausgestattet.

Ministranten in Rom

Die Reise, unterstützt von zahlreichen heimischen Sponsoren, sollte sowohl finanziell als auch ihrer Art nach den Kindern und Jugendlichen entsprechen. Gleich nach der Ankunft ging es los: In Gruppen eingeteilt und von Erwachsenen betreut, eröffnete sich den Berchtesgadenern vom Gianicolo-Hügel aus ein prächtiger Blick auf die sieben Hügel des antiken Rom mit all seinen Sehenswürdigkeiten, von denen viele im Laufe der Tage besucht wurden, was schließlich allein zu Fuß stolze 65 Kilometer auf dem holprigen römischen Pflaster ergab.

Der Mittwoch war von der Begegnung mit gleich zwei Päpsten geprägt. Dazwischen lag ein Besuch der eindrücklichen Grabeskirche des Völkerapostels Paulus. Da es ein Stadträtsel zu lösen galt, mussten die Ministranten im Laufe der Tage gut aufpassen. In St. Paul z. B. war die Zahl der dort angebrachten Papstporträts herauszufinden. Am Abend hieß es dann: „Griaß euch Gott – schee, dass do seid´s! “ – in vertrautem Dialekt und sichtlich erfreut begrüßte der emeritierte Papst Benedikt XVI. die Besucher, die ihn in seinem Kloster besuchen kamen.

Bereits am Morgen waren die Ministranten auf dem Petersplatz bei der Generalaudienz von Papst Franziskus selber begrüßt worden. Mit ihren blauen T-Shirts, auf denen das neue Logo des Pfarrverbandes aufgedruckt war, bildeten sie einen unübersehbaren Block innerhalb der Zehntausenden von Pilgern. Auf dieser wöchentlichen Generalaudienz ist die Welt versammelt, in vielen Sprachen und unterschiedlichen Traditionen. Doch das Gemeinsame überwiegt und ließ auch die Berchtesgadener Ministranten die Zusammengehörigkeit mit aller Welt in der katholischen Kirche spüren.

Die abendliche Begegnung mit dem bayerischen Papst hatte nun einen anderen, sehr privaten Charakter: Kathi und Rupert Maltan hatten ihre Trompeten mitgebracht und brachten einige Weisen zu Gehör, andere Ministranten gaben dem Papst und seinen Hausgenossen a cappella einen Plattler zum Besten. Der Termin bei Benedikt XVI. war bis zum letzten Moment geheim gehalten worden. Vorsorglich waren aber alle aufgefordert worden, die Tracht einzupacken, da es einen „bayerischen Abend“ geben sollte. Um welch ungewöhnlichen bayerischen Abend es sich dabei handeln würde, wussten nur die Leiter der Reise.

Schuhplatteln beim Papst

Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob berichtete vom werdenden Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden. Der Heilige Vater konnte auch gleich die ehemaligen Seelsorger aufzählen und erkundigte sich sehr genau nach der aktuellen Situation. Vor allem das Logo interessierte ihn, finden sich doch darin neben der Stiftskirche auch die Petersschlüssel. „Es ist doch nicht immer schlecht, mit Rom in guter Verbindung zu sein“, meinte er schmunzelnd – nicht nur im Blick auf die Geschichte der Fürstpropstei.

Ein bekannter Buchtitel meint, dass das Herz von Papst Benedikt „bayerisch schlägt“ – und so überbrachten die jüngsten Ministranten gemeinsam einen Geschenkkorb mit Spezialitäten der Region: Süßigkeiten und Speck aus Berchtesgaden, Marmelade aus dem Pfarrgarten, Honig vom Högl und natürlich den berühmten „Fürstpropst“ der Enzianbrennerei Grassl. Nachdem Papst Benedikt noch ein T-Shirt signiert hatte, hielt er eine kleine Ansprache. Vor allem hob er hervor, dass die Gruppe ja keine Bayern an sich seien, sondern Berchtesgadener, was auch im fernen Rom als eine Besonderheit gelte. Er ermunterte dazu, zusammenzuhalten und miteinander die Zukunft zu bauen – im Vertrauen auf Gottes Hilfe.
Pfarrer Frauenlob konnte dem Heiligen Vater noch seine frisch erschienene Doktorarbeit übergeben. Benedikt XVI. zeigte seit den Anfängen persönlich am Thema großes Interesse und freute sich nun mit dem Autor sichtlich über die Gesamtpublikation der Arbeit. Nachdem er vom Pfarrverbandsratsvorsitzenden Michael Koller noch ein Fläschchen „Gollenbach-Wasser“ zur Stärkung bekommen hatte, strahlte der emeritierte Papst beim Gruppenfoto.
Erzbischof Georg Gänswein, der Berchtesgaden ja von seinen Urlauben her gut kennt, und die kleine Hausgemeinschaft des Papstes erfreuten sich sichtlich an den Darbietungen und an der Begegnung mit den Ministranten. Sie hatten für jeden eine wertvolle Medaille und Bilder von Papst Benedikt vorbereitet, die eine Erinnerung an diesen Besuch sein sollten.

Ein längerer Spaziergang durch die Vatikanischen Gärten bei grandiosem Licht- und Wolkenspiel war eine wunderbare Gelegenheit, wieder „herunterzukommen“ und die intensiven Eindrücke der für die meisten unerwarteten Begegnung mit Benedikt XVI. nachklingen zu lassen. So endete mit einem gemeinsamen Abendessen ein sicher für jeden unvergesslicher Tag.

Dank an Papst Benedikt XVI.

Der dritte Reisetag stand im Zeichen des Apostels Petrus und seiner Grabeskirche. Am Morgen zelebrierte Kaplan Gerhard Wiesheu in der Kirche des Campo Santo eine hl. Messe. Die lange Schlange vor den Eingängen zur Peterskirche brachte den Zeitplan ziemlich durcheinander. Dennoch belohnte der traumhafte Blick von der Kuppel die Geduld. Strahlendes Wetter erlaubte eine grandiose Aussicht über den Vatikan und die ganze Stadt. So konnten viele nochmals den vorausgehenden Abend Revue passieren lassen und die Residenz von Papst Benedikt XVI. von oben betrachten. Pfarrer Frauenlob führte dann durch die Peterskirche und erschloss der Gruppe deren Geschichte und Theologie. Für die älteren Ministranten gab es noch die Gelegenheit, in die Ausgrabungen unter der Peterskirche zu gelangen und so die historischen Zusammenhänge um das Petrusgrab genauer zu erforschen. Dabei war von den Teilnehmern archäologisches Grundverständnis und viel Vorstellungskraft gefordert, schließlich wird man in eine antike Totenstadt weit unter der Erdoberfläche geführt.

Gerade hatte man sich etwas an den Rhythmus gewöhnt, war schon der letzte Tag der Reise angebrochen. Vom berühmten Bahnhof Roma Termini führte ein Spaziergang nach Maria Maggiore und in den Bereich des Goldenen Hauses des Kaisers Nero zum mächtigen Rund des Kolosseums. Für viele Minis ein wichtiger Programmpunkt, konnte man sich hier doch antikes Leben in Rom richtig gut vorstellen. Die Schilderung von Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen jagten manchem einen Schauer über den Rücken. Schließlich bildete eine Messfeier in der Kirche Santo Stefano Rotondo den geistlichen Abschluss der Tage. Diese Kirche aus dem 5. Jhd. ist nicht nur architektonisch von ungewöhnlicher Bedeutung, sondern für Pilger aus dem Erzbistum München und Freising ein wenig heimisch, weil sie die Titelkirche von Friedrich Kardinal Wetter ist, der sie vor genau 30 Jahren verliehen bekommen hatte. Zudem erzählte Pfarrer Frauenlob, dass er am Tag nach der Priesterweihe in Sant´Ignazio 1993 hier seine Primiz gefeiert hatte. Zum Abschluss besuchte die Gruppe dann noch den Lateran, die eigentliche Bischofskirche von Rom. Vor allem die jungen Minis waren in der Deutung der Symbolik der frühchristlichen Mosaike eifrig bei der Sache.

Minis am Petersplatz

Nach einem letzten anstrengenden Spaziergang traf man in einer weitläufigen Sportanlage mit einem traumhaften Blick auf die Peterskuppel zu einem sportlichen Event auf den „FC Guardia“, Fußballmannschaft der Päpstlichen Schweizer Garde. Das Spiel war auf Vermittlung von Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob zustande gekommen, der während seiner römischen Jahre als Seelsorger bei der Garde tätig war. Alt und Jung, Mädchen und Buben waren trotz nachmittäglicher Hitze eifrig bei der Sache und wurden lautstark von den Schlachtenbummlern unterstützt. Leider trug letztlich doch der FC Guardia mit 3:0 den Sieg gegen die Berchtesgadener Minis davon. Doch war der Spaßfaktor wichtiger. Ein gemeinsames Pizzaessen in der „besten Pizzeria Roms“ bildete schließlich den kulinarischen Schlusspunkt. Ein Kreis schloss sich, als Diakon Bernhard Hennecke auf dem abendlich wunderbar erleuchteten Petersplatz schließlich die römischen Tage beendete.
Die intensiven Tage waren nicht nur reich an Eindrücken und boten manche Überraschung, sondern hatten offensichtlich auch an den Kräften gezehrt. Jedenfalls war die Heimfahrt sehr ruhig und Schlaf regierte in den Bussen, die alle wieder gesund und wohlbehalten nach Berchtesgaden zurückbrachten. In Marktschellenberg bedankte sich Pfarrer Frauenlob noch bei allen, die Verantwortung übernommen hatten, und gab schließlich noch die Sieger des Stadträtsels bekannt. So ging eine eindrückliche Reise zu Ende, die erstmals auf Ebene des Pfarrverbandes Stiftsland Berchtesgaden unternommen wurde.
Dr. Thomas Frauenlob

Eindrücke / Impressionen:

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minis petersplatz
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panorama benedikt

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