Feierliche Gründung des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden
„Auf Christus schauen!“
Nach dem Kirchweihsonntag präsentierte sich die Stiftskirche am Christkönigssonntag erneut im Festtagsgewand. Zahlreiche Gläubige feierten den Festgottesdienst anlässlich der Gründung des Pfarrverbandes Stiftsland Berchtesgaden mit, der von Weihbischof Wolfgang Bischof zelebriert wurde.
Viele kirchliche Feste hat die Stiftskirche seit ihrer Gründung im 12. Jahrhundert schon erlebt. Nicht immer führten erfreuliche Anlässe die Gemeinschaft der Gläubigen unter ihr gotisches Gewölbe. Eine Kirche lebt, und sie erlebte vieles, was bleibende Erinnerungen für die Geschichtsbücher schuf. Aus einem romanischen wurde ein gotisches Bauwerk, Unbilden der Natur setzten ihr zu, kleinere und größere bauliche Veränderungen prägten ihre heutige Erscheinung. Von „einem zentralen Kirchenraum als wertvolles Erbe gerade in dieser Stunde“, sprach Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob zu Beginn der liturgischen Feier.
Genauso wie ein Gotteshaus ist auch das Leben einer kirchlichen Gemeinschaft unaufhaltsamem Wandel unterworfen. Eine gewichtige Veränderung bewegt die Gemüter der Gläubigen aus den drei Pfarreien, die bereits seit Allerheiligen per Dekret, das von Diakon Matthias Friedl verlesen wurde, unter dem Dach des neuen Pfarrverbands zusammenfanden. Veränderungen dieser Art habe es in der Kirchenhistorie immer schon gegeben, erklärte Pfarrer Frauenlob im Vorfeld der Gründungsfeierlichkeiten. So habe im 19. Jahrhundert eine „Priesterschwemme“ zur Neugründung zahlreicher Gemeinden geführt, um alle Seelsorger in Lohn und Brot zu setzen. Heute sei leider der umgekehrte Fall die Regel. Solche Veränderun-gen seien oft mit Trauer und Verlustängsten verbunden. Aber sie eröffneten auch neue Chancen. „Es gilt jetzt, Ressourcen zu erkennen und sie zu nutzen“, so der Pfarrer in seinem Grußwort an die Gläubigen.
Die Kraft der Symbole
„Der Blick richtet sich in die Zukunft, denn die Gründungsfeier ist der Beginn eines gemeinsamen Weges“, befand Weihbischof Wolfgang Bischof zur Begrüßung der Festgemeinde. „Dein Reich ohne alle Grenzen ist“, intonierten die Gläubigen zum feierlichen Einzug, nachdem die weithin hörbaren Salven der Berchtesgadener Weihnachtsschützen, die das Fest umrahmten, verhallt waren.
Zahlreiche symbolisch wirksame Gestaltungselemente, die nicht nur von Veränderung und Aufbruch hin zu etwas Neuem kündeten, sondern gleichzeitig die Verbundenheit mit Altbewährtem und Vertrautem zum Ausdruck brachten, waren für die Gottesdienstgestaltung kennzeichnend und verdeutlichten seine leitmotivische Ausrichtung. Die drei Pfarrgemeinden hatten dafür Gegenstände mit besonderem Symbolcharakter vorbereitet, die typisch für ihre Orte sind.
Für die Pfarrei Hl. Familie in der Au sind es Salzkristalle: Das „Weiße Gold“ sichert zahlreichen Auer Familien ihre Existenz durch den Salzbergbau. Marmorkugeln stehen für die Pfarrei St. Nikolaus: Untersberger Marmor gilt seit Jahrhunderten als ein sehr wertvoller Stein, der auch beim Bau der Pfarrkirche in Marktschellenberg Verwendung fand. Für die Pfarrei St. Andreas steht „Berchtesgadener War“: Das bunt bemalte Holzspielzeug war über Jahrhunderte eine zusätzliche Einnahmequelle der Bevölkerung und findet sich heute oft als Christbaumschmuck.
Das Signum des neuen Pfarrverbands
In einer im Stile Berchtesgadener Handwerkskunst gestalteten und von Jürgen Rössel kunstvoll bemalten Spanschachtel deponierten die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte Wolfgang Geistlinger aus Oberau, Florian Kranawetvogl aus Marktschellenberg und Tobias Vogl für die Marktgemeinde ihre mitgebrachten Symbole auf der Treppenanlage vor dem Altar. Drei Symbole vereinigen sich in einem, während gleichzeitig ein neues entsteht, nämlich das des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden.
Auf der Oberseite der Spanschachtel sind filigran gefertigte Zeichnungen zu sehen, die die drei Pfarrkirchen und die Stiftskirche, sowie den Patron des Pfarrverbandes, den Seligen Kaspar Stanggassinger, zeigen. Die symbolträchtige Struktur dieser besonderen Messfeier verdichtete sich noch einmal, als die Kirchenpflegerin Anneliese Kurz drei Kerzen mit dem Signum des neuen Pfarrverbands, der Stiftskirche mit den Petrusschlüsseln, an der großen, von Maria Hasenknopf gestalteten Kerze entzündet hatte, um das Licht hinauszutragen, zurück in die vertrauten Pfarrkirchen.
Das von Martin Strobl entworfene Begleitheft zum Gottesdienst ermöglichte tiefere Einblicke in Gestalt und Beschaffenheit der symbolischen Objekte. Hier konnte man sich ein genaues Bild von dem Signet machen, wie es sich eingestickt am Saum des festlichen Ornats befindet, welcher anlässlich der Gründungsfeier von den Zisterzienserinnen von Thyrnau in der Nähe von Passau gefertigt wurde.
Die Silhouette der Stiftskirche mit den Petrusschlüsseln gründet auf der Basis von drei durchgehenden Silberfäden und wird von vier unterbrochenen Goldfäden flankiert. Die Stiftskirche ist seit 1102 die Mutterkirche des Augustinerchorherrenstifts und steht am Anfang der Ausbreitung des Evangeliums im Talkessel. Die Schlüssel erinnern an die seit 1122 bestehende besondere Verbindung mit dem Nachfolger des Hl. Petrus und der Gemeinschaft in der Weltkirche. In den Silber- und Goldfäden sind die sieben Sakramente symbolisiert. Sakramente sind „Berührungen durch Gott“, die dem Glauben im Stiftsland Berchtesgaden ein Fundament geben und ihn stets neu lebendig werden lassen. Der Festtagsornat wurde – wie auch der Schrein für die Reliquie des Seligen Pater Kaspar Stanggassinger – ganz im Sinne eines Wohltäters aus dessen dafür bestimmtem Erbe finanziert.
Beteiligung der Jugend
Alle drei Gemeinden waren mit ihren Kirchenchören an der musikalischen Gestaltung des Festgottesdienstes beteiligt. Zu hören war die „Missa brevis in C“ von Robert Jones. Ein Bläserensemble der Dürrnberger Bergknappenkapelle unter der Leitung von Stiftskapellmeister Stefan Mohr war in den musikalischen Teil der Feier eingebunden.
Alle Kirchen des Pfarrverbands entsandten Ministranten und Grundschulkinder, die neben den Lektoren auch die Fürbitten formulierten und die Gabenprozession mitgestalteten. „Durch sein offenes Herz für die Jugend und sein Charisma wurde er ein guter Lehrer und väterlicher Erzieher“, so heißt es im Gebet des neuen Pfarrverbands über den Seligen Pater Kaspar Stanggassinger. Das Christkönigsfest sei früher ein Festtag der Jugend gewesen, so Weihbischof Wolfgang Bischof, der sich von der großen Beteiligung junger Leute am Gottesdienst beeindruckt zeigte, in seiner Predigt. Sich nicht in Strukturen zu verlieren, sondern Christus in den Mittelpunkt zu stellen, sei es, worauf es ankomme, gab er den Gläubigen mit auf den Weg. Es sei letztendlich wichtig, dass wir die Antworten auf unser Leben aus unserem Herzen heraus geben und nicht deshalb, weil es ein anderer so gesagt hat.
"Die geistliche Mitte"
Veränderungen, ob im Leben einer Gemeinde oder in ihrem Kirchengebäude vollziehen sich meistens unmerklich und in kleinen Schritten. Der neue Reliquienschrein und das Porträt des Seligen Kaspar Stanggassinger am Augustinusaltar sind augenfällig. „Die ungebrochene Treue im Kleinen und sein fester Wille nach wahrer Freiheit machten seinen Geist stark.“ So heißt es im Gebet des Pfarrverbands. „Tun, was der Tag verlangt!“, so die Lebensmaxime des Seligen.
Als Patron des neu gegründeten Pfarrverbandes von Friedrich Kardinal Wetter am Kirchweihsonntag erwählt und verkündet, bildet der neue Schrein mit der Reliquie des Seligen Paters von nun an die „geistliche Mitte“ des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden. Mit diesem Ansinnen war Pfarrer Frauenlob angetreten. „Ich, Daniel, hatte während der Nacht eine Vision.“ So heißt es in der Lesung aus dem Buch Daniel. Visionen müssen sich in der Regel erst einmal den Prüfungen einer rauen Realität unterziehen. Dafür bedarf es tapferer Mitstreiter.
Zu ihnen gehört Pfarrverbandsratsvorsitzender Michael Koller, dem Pfarrer Frauenlob für seinen unermüdlichen Einsatz in unzähligen Stunden dankte, während Koller wiederum als Dank und zum Andenken Weihbischof Wolfgang Bischof am 22. November den 22. Druck des Porträts, auf dem der Patron des neuen Pfarrverbands zu sehen ist, überreichte. Koller dankte allen, die diese Pfarrverbandsgründung mit auf den Weg gebracht haben und sich im Vorfeld des großen Ereignisses tatkräftig zur Seite standen und diesen Festtag mit vorbereiteten. Sein besonderer Dank galt Pfarrer Frauenlob, der auch dieses Projekt maßgeblich mit angestoßen habe. Zum Abschluss waren alle – trotz Kälte und Schneefall – in den vom Frauenbund Berchtesgaden und Marktschellenberg festlich geschmückten Kreuzgang zu einem Fest der Begegnung eingeladen, bei dem Helfer aus allen drei Gemeinden bestens zusammenarbeiteten. Ein gutes Zeichen für die gemeinsame Zukunft!
Johannes Vesper
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