Leben in der Nachfolge des Seligen P. Rupert Mayer

 Gastvortrag von Pater Peter Linster im Rahmen der Herbstvollversammlung des Dekanatsrats Berchtesgaden im Pfarrheim Berchtesgaden

Berchtesgaden - In diesem Sommer fand Pater Peter Linster SJ im Rahmen seiner Urlaubsvertretung in Berchtesgaden in den Besuchern der Gottesdienste eine aufmerksame Zuhörerschaft. Grund genug, ihn noch einmal zu einem Vortrag einzuladen, der sich zum Ausklang des Jahres der Barmherzigkeit mit dem Thema „Den Menschen verstehen – mit den Menschen gehen“ auseinandersetzte und im Anschluss an die Herbstvollversammlung des Dekanatsrats Berchtesgaden im Pfarrheim stattfand.

Zwischen dem ehemaligen Jesuitenkolleg mit seiner Kirche St. Michael und dem Karlstor am Stachus liegt mitten in einer Häuserzeile in der Münchner Fußgängerzone der so genannte Bürgersaal. Er war einst der Versammlungsraum einer Vereinigung katholischer Männer, der am 06. Juni 1610 gegründeten „Marianischen Kongregation der Herren und Bürger zu Unserer Lieben Frauen Verkündigung". Pater Linster ist Präses der Marianischen Männerkongregation, wie sie heute besteht und gleichzeitig Vizepostulator für die Heiligsprechung des Seligen P. Rupert Mayer SJ, der in diesem Amt zu seinen Vorgängern zählt.

Die zentrale Bedeutung des Dialogs

Im Jahr 1948 wurden dessen sterbliche Überreste in die Bürgersaalkirche überführt und vor dem Altar der Unterkirche unter einer schlichten Grabplatte beigesetzt. Seitdem ist dieser Raum zu einer Wallfahrtsstätte geworden.

Als „Hüter seines Grabes“ stellt Pater Linster den Präfekten der marianischen Männerkongregation aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: „Barmherzigkeit für P. Rupert Mayer damals! Für uns heute?“, hat er seinen Vortrag untertitelt. Sein rhetorischer Feinschliff, gepaart mit dem sicheren Gespür für die passende Pointe lässt den Zuhörer spüren, dass ihm die menschliche Kommunikation eine Herzensangelegenheit ist. „Der Dialog“, „miteinander reden“, der „persönliche Austausch“ erhalten nicht nur im Vortrag zentrale Bedeutung, sondern auch im seelsorgerischen Alltag von Pater Linster.

„Jeden Tag bieten wir in St. Michael eine mehrstündige Aussprache- und Beichtgelegenheit an“, so der Pater. Als „Kirche ohne Vorzimmer“ bezeichnen die Seelsorger ihr offenes Gesprächsangebot . Auch auf die wichtige Bedeutung der Exerzitien im Kreis der Jesuiten kommt die Rede. Die hätten dialogischen Charakter. „Jeder versucht den anderen zu verstehen“, so seine zentrale Botschaft.

Der kämpferische Jesuit

In diesem Sinne habe auch Pater Rupert Mayer gelebt und Seelsorge verstanden. Dabei beeindruckte ihn das von den Nazis verhängte Redeverbot wenig. Er ließ sich den Mund nicht verbieten. 70 Predigten im Monat waren für ihn keine Seltenheit. Pater Mayer sei bis in die Sprache hinein ein Jesuit gewesen. Knapp, klar und direkt war seine Ansprache, die überlieferten Predigten wirken schlicht und volkstümlich, sie begeisterten die Menschen. Jetzt nimmt Pater Linster sein Publikum mit auf eine Reise quer durch die biographischen Höhen und Tiefen eines Lebens, das ganz der Hilfe und seelsorgerischen Tätigkeit im sozialen Elend der Großstadt verschrieben war.

Bereits in den frühen zwanziger Jahren setzte sich Mayer in München mit dem Nationalsozialismus auseinander und bekämpfte in seinen Predigten den Rassenhass. „Als Sanitäts- und Divisionshelfer hatte er den Ersten Weltkrieg überlebt, aber ein Bein verloren, weil er sich schützend über einen Soldaten geworfen hatte“, so der Referent. Durch seine regen Tätigkeiten galt er schon bald als “Männerapostel” und “Apostel Münchens”. 1925 rief er den legendären Bahnhofsgottesdienst ins Leben.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten predigte der kämpferische Jesuit gegen antikatholische Hetzkampagnen und bekämpfte die NS-Kirchenpolitik. Zweimal wurde er verhaftet, kommt ins KZ Sachsenhausen. Immer wieder erhebt er seine Stimme. Als die Nazis ihn aus dem KZ entlassen und ins Kloster Ettal verbannen, ist aus dem aufrechten und stattlichen Mann mit seinen markanten Gesichtszügen ein gebrochener Mensch geworden. Die Seelsorge wurde ihm untersagt und predigen war nur in der Hauskapelle erlaubt. Er schrieb: “Seitdem bin ich lebend ein Toter.“

 pater linster

Die Rückkehr nach München

Krank und erschöpft kehrte er im Mai 1945 nach München zurück. Er versuchte den Notleidenden sowie der ausgebombten Bevölkerung zu helfen. Er half bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und beschaffte Unterkünfte für Flüchtlinge und Einheimische. „Alle Menschengüte ebnet den Weg zu Gott“, so Pater Linster. „Sein Gottesvertrauen war grenzenlos, er war gehorsam bis zum Ende seines Lebens.“

Würde er heute leben, so mutmaßte der Pater, stände sicher das Schicksal der Flüchtlinge im Mittelpunkt seines sozialen Engagements. „Die Sorge für alle, die zu ihm kamen, bestimmte sein Leben“, so Linster. Am Allerheiligentag 1945 verstarb er während der Predigt nach einem Schlaganfall. Der Sarg wurde von Zehntausenden Menschen begleitet. Gleichzeitig Todestag seines Vaters, ist der 1. November für Pater Linster ein Tag doppelten Gedenkens.

Ihm galt der abschließende Dank durch den neuen Verwaltungsleiter des Stiftslandes Berchtesgaden, Michael Koller, für diesen lebendigen und sehr eindrücklichen Vortrag.

Versteht es seine Zuhörer in den Bann zu ziehen. Jesuitenpater Peter Linster aus München.

Am 3. Mai 1987 wurde Pater Rupert Mayer im Münchener Olympiastadion durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Pater Rupert Mayer sammelt Spenden für die Caritas vor St. Michael im Mai 1935.

Die Ausstellung im Kongregationsmuseum zeichnet den Lebensweg des Seligen anschaulich und plastisch nach.

 

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