Seliger Kaspar Stanggassinger: Würdiger Ort der Verehrung

Kardinal Wetter zelebriert Festgottesdienst in der Stiftskirche

Als Kaspar Stanggassinger im April des Jahres 1988 auf dem Petersplatz in Rom von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde, fand das weit über die Grenzen seiner Berchtesgadener Heimat hinaus Beachtung. Jetzt hat die Reliquie des Theologen und Pädagogen vom Unterkälberstein eine neue Heimstatt gefunden. Der neue Schrein auf dem Augustinusaltar der Stiftskirche wurde im Rahmen eines Festgottesdienstes, zelebriert von Friedrich Kardinal Wetter, feierlich eingeweiht und der Selige zum Patron des Pfarrverbandes Stiftsland Berchtesgaden erwählt.

Friedrich Kardinal Wetter

„Ewiger Gott im Himmel weit“, so ertönte es zum feierlichen Einzug von der Orgelempore der Stiftskirche St. Peter und St. Johannes herab. Der Kirchweihsonntag war für die Gläubigen des Pfarrverbandes Stiftsland Berchtesgaden, zu dem die Kirchengemeinden Heilige Familie Au, St. Andreas Berchtesgaden und St. Nikolaus Marktschellenberg gehören, ein besonderer Tag. Der St.-Andreas-Chor und der Kirchenchor Hl. Familie gestalteten vereint unter der Leitung von Stiftskapellmeister Stefan Mohr die festliche Musik der Messfeier mit.
Eine Grafik der Stiftskirche, das Logo des neuen Pfarrverbandes, war auf der Kerze, dem Symbol der Freude, vor dem Seitenaltar zu erkennen. Wer an diesem Abend im festlich geschmückten Gotteshaus einen Platz gefunden hatte, bekam Gelegenheit, sich durch Worte, Bilder und Symbole in die Welt eines Menschen einzufinden, der den christlichen Glauben in den Worten von Pfarrer Thomas Frauenlob „vorbildlich gelebt hat“ und im Alter von 28 Jahren viel zu früh verstarb.

Aufbruch in eine neue Zeit

Im Jahre 1871 wurde das Deutsche Kaiserreich aus der Taufe gehoben, die industrielle Revolution setzte zu ihrem grandiosen Höhenflug an und niemand ahnte, welche Folgen militärischer Glanz und politische Großmannssucht einst haben würden. Aus dem Agrarland Deutschland erwuchs eine Industrienation – und im beschaulichen Berchtesgaden erblickte am 12. Januar des Jahres als zweites von 16 Kindern einer angesehenen Bauernfamilie ein Kind die Welt, das fortan auf den Namen Kaspar hörte und noch am gleichen Tag in der Stiftskirche das Sakrament der Taufe empfing.
Der Selige Kaspar Stanggassinger gehörte nicht zu jenen Zeitgenossen, die am Rad der Geschichte drehen wollten oder auf Erfolg und Anerkennung aus waren. Das Streben nach Glanz und Größe war ihm fremd, Egoismen und stolze Eitelkeit hatten in seinem Leben keinen Platz. Schon sehr früh gelangte der von Kindesbeinen an fest in seinem Glauben verankerte junge Mann mit seinen alpenländischen Wurzeln zu persönlicher Größe, indem er nach innen schaute und alsbald erkannte, wohin der Weg ihn führen würde.

„Jeder kann zu einem erfüllten Leben kommen!“

„Die Treue im Kleinen wurde der Vorsatz seines Lebens“, so Kardinal Wetter in seiner Festtagspredigt. „Mit seinem Herzen hörte er darauf, was Gott von ihm wollte.“ Jeder könne aus seinem Leben etwas Großes machen, wenn er Schritt für Schritt vorangehe. Genau wie ein Bergsteiger, der den Gipfel zu erklimmen suche. „Auch wir können aus den Kleinigkeiten unseres Alltags ein erfülltes Leben gestalten“, so der Kardinal.
Schon im Kindesalter entstand der Wunsch, Priester zu werden. Nachdem er in Freising sein Abitur abgelegt hatte, begann der junge Kaspar im dortigen Priesterseminar seine theologischen und philosophischen Studien. In Gars am Inn trat er 1892 in den Orden der Redemptoristen ein, einen Missionsorden, der sich vorrangig um die Seelsorge in den ärmeren Bevölkerungskreisen kümmerte. Am 24. Juni des Jahres 1895 feierte er seine Heimatprimiz in der Kirche, in der er ein knappes Vierteljahrhundert zuvor das Sakrament der Taufe empfangen hatte – und in der man jetzt das Gedenken an ihn erneuert.

Seliger Pater Kaspar Stanggassinger - Gemälde von Walter Angerer dem Jüngeren

Ein zeitgenössisches Porträt

Mit dem Festgottesdienst schließt sich der Kreis. Denn gleich neben besagtem Taufstein befindet sich der Augustinusaltar mit dem Schrein, der nun das bestehende, vom Berchtesgadener Bildhauer Alfred Essler geschaffene Reliquiar enthält, jenes Gefäß mit der kostbaren Reliquie, einer Kniescheibe des Seligen Pater Kaspar.

Als Kardinal Wetter, in den Jahren 1982 bis 2007 Erzbischof von München-Freising, zu Beginn des Gottesdienstes das Porträt enthüllte, das der weit über seine oberbayerische Heimat hinaus bekannte Kunstmaler Walter Angerer der Jüngere gestaltet hat, wanderten die Blicke der Gläubigen gebannt in Richtung des rechten Seitenaltars. Die zeitgenössische Abbildung, die auch das Begleitheft zum Gottesdienst ziert und als Etikett jene Weinflaschen schmückt, die im Rahmen der Agape serviert wurden, lässt die markanten Formen einer gereiften Persönlichkeit erkennen, deren Gesichtszüge entschlossen wirken, gleichzeitig aber auch Herzenswärme und Güte ausstrahlen.

Lichterprozession

Ein kurzes und einfaches Leben

„Er liebte dieses Land und seine Menschen“, so Kardinal Wetter. Ein kurzes und einfaches Leben, das durch die Seligsprechung zu etwas Großem geworden sei. Besonders am Herzen lagen ihm die jungen Leute. Heute würde man den Lehrer Kaspar Stanggassinger als einen fortschrittlichen und aufgeschlossenen Pädagogen bezeichnen, der seine Arbeit mit Empathie versah, durch sein Einfühlungsvermögen bestach und dadurch große Wirksamkeit entfaltete.
Einen „begnadeten Erzieher“ nannte ihn Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob in seinen einleitenden Worten. Eine herausstechende Eigenschaft, die ihn bei Jugendlichen sehr beliebt und in seinen pädagogischen Bemühungen außerordentlich erfolgreich machte. Vier Jahre lang unterrichtete er im Redemptoristenkloster in Dürrnberg, musikalisch an diesem Abend durch ein Bläser-Ensemble der Bergknappenkapelle vertreten. Kinder und Jugendliche standen denn auch nicht zufällig in unterschiedlichen Rollen und mit verschiedenen Aufgaben im zentralen Geschehen des Gottesdienstes. Auch „Die Segnung der Kinder“ aus dem Markusevangelium fügte sich gut ins Leitthema.

Schrein

"Ein würdiger Ort der Verehrung"

„Der Bergeswelt entstammend trieb Kaspar dich dein Mut“, ertönte der Gesang der Gläubigen, als mit der Einsetzung des Reliquiars in den neuen, vom Künstlerehepaar Bernhard und Susanna Lutzenberger aus Bad Wörishofen gestalteten Schrein der Gottesdienst seinen Höhepunkt erreichte. In dem kubusförmigen, aus patiniertem Tombak, auch Schmuckgold genannt, und mit seinen blattvergoldeten Innenflächen kunstvoll und filigran gestalteten Schrein finden auch die heiligen Öle ihren Platz. Auszüge seiner Vita sind in goldenen Lettern auf der Türe, einem Sichtfenster, zu sehen.
Hier bekommt die Reliquie ihren festen Platz und ganz im Ansinnen des Pfarrers einen würdigen Ort der Verehrung. Vielleicht auch einen Ort zum Verweilen und Innehalten. Ein Stück näher heranrücken, ihm nachspüren, sich einfühlen kann den Weg zur eigenen Mitte, zu innerer Ruhe ebnen. Symbole lassen nicht selten Kraftfelder entstehen.
Als Patron des neu gegründeten Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden, von Kardinal Wetter abschließend erwählt und verkündet, wird seine Aura und sein Wirken auch künftig eine Vorbildfunktion für viele Menschen erfüllen. Als Dank und zum Andenken bekam der 73. Bischof von München-Freising aus den Händen des Pfarrverbandsratsvorsitzenden Michael Koller den 73. Druck des von Walter Angerer dem Jüngeren gestalteten Porträts überreicht. Sein Dank richtete sich auch an alle, die an der Vorbereitung des Festes beteiligt waren, insbesondere an den Leiter des Pfarrverbandes, Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob, der dieses Projekt maßgeblich angestoßen hatte.
Pfarrer Frauenlob wiederum dankte Michael Koller für sein immenses Engagement, seine Ideen und seine viele Zeit, die er in das Projekt eingebracht hat. Vom Frauenbund vorbereitet folgte der säkulare Teil des Abends im Rahmen der Agape im Kreuzgang der Kirche bei Wein und einem kleinen Imbiss. Zugegen waren auch die Pfarrgemeinderäte aus den Gemeinden des neuen Pfarrverbands. Der neue Schrein soll nicht nur eine würdige Präsentation einer Reliquie sein und ein Ort der Verehrung eines hiesigen Seligen, sondern auch ein Ort der Fürbitte für das gute Gedeihen und Zusammenwachsen des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden, der am 22. November offiziell – wiederum in einem festlichen Gottesdienst – diesmal mit Weihbischof Bischof gegründet wurde.

Johannes Vesper

 

 

Eindrücke / Impressionen:

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überreichung bild rita heinz
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