Ein großer Chor in kleiner Kirche

Am vorgezogenen Valentinstag sangen etwa 40 Sängerinnen und Sänger in der Oberau

Berchtesgaden/Oberau - „Alles ist möglich, dem der liebt“. Mit diesem Lied eröffnete und beschloss der so genannte Projektchor den Gottesdienst in der Oberauer Kirche. Vielleicht nicht alles, aber doch vieles ist möglich, wenn man für die Musik „brennt“ und in der Lage ist, Sängerinnen und erfreulicherweise Sänger zu begeistern. Im so bezeichneten Wortgottesdienst hatte der „neue“ Oberauer Kirchenchor kaum genügend Platz im Altarraum. Was Diakon Michael König freute und erst recht Chorleiterin Simone Resch, die es verstanden hatte, die Anzahl der Sänger, die im „Normalfall“ kaum die Zahl 20 erreicht, mehr als zu verdoppeln und nach maximal vier, manche hatten nur zwei, Proben ein mehr als imposantes Musikerlebnis zu offerieren. Am Ende gab es langanhaltenden Applaus für die Sängerinnen und Sänger und besonders für Simone Resch. Ungewöhnlich in einem Gottesdienst, aber sehr berechtigt.

Zum dritten Mal bereits hat Simone Resch bereit ihren „Projektchor“ in der Oberau initiiert und auch diesmal Erfolg verbuchen können. Zwischenzeitlich, sagt sie, war es eine halbe Hundertschaft, die sich zum, möglicherweise zeitlich befristeten Chorgesang gemeldet hatten. Krankheit und Termine haben den Projektchor wieder ein wenig schrumpfen lassen, doch zum Abschluss hatte der Chor immerhin noch rund 40 Mitglieder.

Projektchor Valentinstag

Nach Weihnachten und Neujahr haben auch die Kirchenchöre eine „Verschnaufpause“, die Simone Resch gern dazu nutzt, die Freude am Chorgesang zu wecken. Die Teilnehmer, auch mit dem Berchtesgadener Andreaschor, den sie ebenfalls leitet, gibt es ein ähnliches Projekt, das sogar bis in die Osterzeit hinein reicht, gehen keine „moralische“ Verpflichtung ein, können nach den Probewochen jederzeit ihr sängerisches Engagement wieder lösen. Allerdings, so ist die Erfahrung der Musikerin, gibt es immer wieder bei dem oder der einen, dauerhaft im Chor zu singen.

Wenn der Valentinstag und Aschermittwoch auf einen Tag fallen, muss man „den Tag der Liebenden“ verlegen, weil er mit dem Beginn der Fastenzeit einfach nicht passt. Sagte auch Michael König und freute sich über den regen Zuspruch an einem Wochentag, auch, weil die Anzahl der Gläubigen im Kirchenschiff die Mitgliederzahl des voluminös gewachsenen Chores übertraf. Vermutlich ist das nicht immer so. Der Oberauer Kirchenchor jedenfalls imponierte nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in seinen musikalischen Beiträgen. Ob im Kanon „Wo die Liebe wohnt“, „Herr, ich komme zu Dir“ oder auch „Kimmt schee hoamli die Nacht“ und andere Lieder. Mindestens für die Zuhörer im Kirchenraum klang es fast perfekt.

Chorleiterin Simone Resch hat natürlich die kleinen Stolperer bemerkt, war aber dennoch sehr zufrieden mit der Leistung der Sängerinnen und Sänger nach nur wenigen Proben. Ihr Valentinsprojekt ist nun zu Ende, doch hofft sie sehr, dass einige der „neuen“ Chorsänger das Projektende als Neubeginn für eine mögliche Chorlaufbahn betrachten. Zwei Zusagen hätte sie bereits, konnte sie berichten. Dass der Oberauer Kirchenchor, dessen Stamm aus etwa 16, 17 Sängerinnen und Sängern besteht, noch ein wenig wächst, ist nicht nur der Wunsch der Chorleiterin.

Erfreulich war zweifellos auch, dass im großen Chor ein halbes Dutzend Männer mitwirkten und ihre tieferen Stimmen zum Wohlklang beisteuerten. Der Mangel an Tenor-, Bariton und Bassstimmen ist kein spezielles Problem in der Oberau, sondern betrifft alle Chöre im Berchtesgadener Land, die gelegentlich und oft ungewollt als reine Frauenchöre auftreten. Dass es nicht so sein muss, war am Beispiel des Oberauer Projektchores deutlich zu bemerken.  

Dieter Meister

Chor

Der große Projektchor von Simone Resch hatte fast ein wenig Platzmangel im Oberauer Altarraum. Fotos: Meister

Simone Resch am Keyboard

Zufrieden mit der Leistung ihres Chores nach nur wenigen Proben war Simone Resch.

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