Das große „Memento Mori“

Einige Gedanken zum Brauch der Sterbebilder

Den gesamten Monat November über gedenken wir der Toten, unserer Verstorbenen: Allerheiligen, Allerseelen, Buß- und Bettag, Volkstrauertag und Totensonntag. Der Ausdruck „Memento mori“ entstammt dem mittelalterlichen Mönchslatein: aus „Memento moriendum esse“ - „Bedenke, dass du sterben musst“ - wurde ein allgemeines Erinnern und Gedenken an den Tod bzw. an die Toten und der November im Laufe der Geschichte zum Totenmonat.

Ein besonderes, dauerhaftes persönliches Gedenken an einen Verstorbenen erfolgt heute durch gedruckte Sterbebilder, die beim Trauergottesdienst bzw. beim Begräbnis verteilt werden. Diese manchmal sehr aufwändig gestalteten Bildchen gehören vor allem im ländlichen Raum zum festen Trauerritus, der sich seit gut 150 Jahren auch bei uns entwickelt hat und nunmehr fest verankert ist.

Dieser Brauch hat seine Wurzeln in Belgien und Holland und verbreitete sich relativ schnell über ganz Europa; vor allem während des 1. Weltkrieges.

Kathi Grümannsberger
Joseph Hausmann
Engelbert Winkler

Eingeleitet werden die Sterbebilder mit der Aufforderung zum „frommen Andenken oder Gedenken im Gebete“. In der Mitte des kleinen Zettels sind die Lebensdaten des Toten, die früher viel ausführlicher gehalten waren, u. a. mit Zusätzen wie „wohlgeboren, ehrengeachtet, unvergesslich, tugendsame/r Jungfrau/Jüngling“ oder auch mit ausführlichen beruflichen und Standeshinweisen versehen. Es war halt wichtig, ob es sich um eine Herrschaftsköchin oder Dienstmagd, eine Hausbesitzersgattin, eine Austragsmutter oder um den Hubervater handelte. Das Foto/Bild des/der Verstorbenen gehört heute zum festen Bestandteil; früher als Klischees noch aufwändiger waren, wurde oft darauf verzichtet, auch aus Kostengründen; heutzutage geht es digitalisiert halt viel leichter als zu unserer Vorfahren Zeiten.

Michael Huber

Nicht fehlen durften religiöse, oft auch kitschig wirkende Bilder mit unterschiedlichen Motiven oder Bildthemen und selbstverständlich je nach Situation passenden kurzen Gebetstexten.

Unbefleckte Empfängnis
Sterbebild

 

Waren die Sterbebildchen einst nur in Schwarz-Weiß gedruckt, so werden sie heute weniger emotional und nüchterner, aber dafür durchgängig farbig, gestaltet. Fast könnte man meinen, der Tod ist bunt geworden. Persönliche Bezüge an den Verstorbenen werden ebenso aufgenommen wie persönliche Mitteilungen.

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Sterbebild

Auf eine religiös unterlegte Außenseite wird heute gerne zugunsten vor allem einprägsamer landschaftlicher Motive verzichtet.

Die Zeiten ändern sich und so ist es üblich geworden, noch zu Lebzeiten das Sterbebild neben einer speziellen Fotoauswahl auch durch einen individuellen Text vorzubereiten; wie z. B. durch einen irischen Spruch:

Wenn ich gestorben bin, singt keine traurigen Lieder.
Pflanzt keinen Baum über meinem Grab.
Ich will ruhen unter dem Rasen,
den der Regen nässt und der Tau berührt.
Lasst mich liegen.
Wenn ihr wollt, erinnert euch.
Und wenn ihr wollt, vergesst.“

Auch „höchste Herrschaften“ nutzen den bürgerlichen Brauch für ihr Totengedenken.

Herzog Albrecht von Bayern

Im November 2018
Johannes Schöbinger

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