Altarweihe durch Kardinal Reinhard Marx

Ein großer Festtag in Maria am Berg

Am Sonntag wurde die Kirche Maria am Berg nach einer grundlegenden Sanierung und Reinigung mit einem großen Fest wieder "in Betrieb" genommen. "Maria am Berg ist ein wunderbares Zeugnis von Menschen, die sich damals auf den Weg gemacht haben und Generationen hindurch treu geblieben sind!", so fasste Kardinal Reinhard Marx die Bedeutung von Maria am Berg treffend zusammen.

Zuvor hatte Pfarrer Thomas Frauenlob den Kardinal und die zahlreichen Gläubigen mit dem österlichen Vers "Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat" willkommen geheißen. In seiner Begrüßung wies er darauf hin, dass diese Kirche aus festem Glauben zweier Menschen heraus in schwieriger Zeit errichtet wurde. Ein Ort für Gott am Untersalzberg, der aufgrund der Ereignisse damals schnell zum Gegenpol eines gottlosen Regimes auf dem gegenüberliegenden Obersalzberg geworden ist, wo sich Menschen angesiedelt hatten, die sich an Gottes Stelle gesetzt und millionenfach Not, Leid und Tod über die Menschheit gebracht haben. "Das erneuerte Gebäude ist nur ein Sinnbild für die Gläubigen von Maria am Berg, die sich als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus zusammenfügen lassen", so der Kirchenrektor, den Petrusbrief zitierend. Es sei eine besondere Ehre, dass der Erzbischof selber diese Altarweihe vollziehe, sei doch seit der Gründung der Kirche der Bezug zum jeweiligen Münchner Kardinal immer groß gewesen, jedoch bisher noch nie eine offizielle Visite in diesem anmutigen Kirchlein am Untersalzberg erfolgt.

Die Renovierung und Umgestaltung einer Kirche gleicht einer teilweisen Profanierung, weshalb bei der Feier der Altarweihe die einzelnen liturgischen "Gerätschaften" nacheinander wieder in das "Heilige" eingefügt werden: Der Ambo wird vor der Lesung gesegnet, Reliquien – an diesem Sonntag des seligen Otto von Freising und des seligen Kaspar Stanggassinger – in die Altarplatte bestattet und durch Michael Koller eingemauert. Die Salbung des Altars durch den Bischof mit Chrisam und das Verbrennen von Weihrauch auf den fünf eingemeißelten Kreuzen auf der Altarplatte sind eindrucksvolle, archaische Bestandteile der Feier. Der Raum bleibt bis zur Schmückung des geweihten Altares ohne Beleuchtung, wenn auch der Altarraum an diesem prächtigen Sommertag von gleißendem Sonnenlicht erfüllt war. Lediglich die von Maria Hasenknopf eigens für diesen Tag angefertigte hohe Votivkerze auf dem neuen Osterleuchter spendete bis zur Gabenbereitung etwas Kerzenlicht. Erst nachdem das Altartuch ausgebreitet und die Kerzen entzündet sind, erstrahlt der Raum in feierlichem Glanz, den die neue Lichtanlage ermöglicht.  

Die anspruchsvolle Liturgie der Altarweihe wurde durch den Gesang der zahlreichen Gläubigen, unterstützt vom Kirchenchor Au und Maria am Berg unter der Leitung von Simone Resch, Kasimir Wilgodzki an der Orgel und Rupert Maltan als Kantor, der den Antwortgesang und die Allerheiligenlitanei vortrug, eindrucksvoll und beschwingt gestaltet. Für die Ministranten von Maria am Berg war dieser außergewöhnliche Gottesdienst eine besondere Herausforderung, die sie aber bestens meisterten.  

Maria am Berg ist nun vom Dach über den Vorplatz grundlegend erneuert. Der Zelebrationsaltar wurde in seiner Breite erheblich verkürzt, um den störenden "Barrierecharakter" zu beseitigen. Nun umhüllt eine leicht und zugleich edel wirkende Eichenholzummantelung den ursprünglichen Stein. Ambo, Sedilien und Ministrantenbänke sind aus demselben Eichenstamm nach dem künstlerischen Entwurf des bekannten Laufener Bildhauers Friedrich Koller angefertigt worden. Altar- und Osterleuchter setzen einen schlichten Akzent. Das aus Acryl gefertigte abstrakte Altarkreuz mit den fünf Wundmalen Jesu, auf einer Art Blutlanze stehend, dürfte für manchen Besucher etwas gewöhnungsbedürftig sein, lädt aber zum Nachdenken ein.

Besonders augenfällig sind die nun wieder auf Stangen aufgestellten Rosenkranzschilde, die sich bisher im Umgang befunden haben. Sie dominieren das Kirchenschiff und sind durch farbliche Abstimmung den einzelnen Rosenkranzgesätzen zugeordnet. Die ehemaligen Seitenaltäre wurden untermauert und mit einer dezenten lateinischen Inschrift versehen. Die Madonna am Kriegerdenkmal erstrahlt durch einen vergoldeten Hintergrund in ganz neuem Licht und wird gleichzeitig durch eine hohe Josefsfigur mit dem Jesusknaben flankiert zu einer außergewöhnlichen Darstellung der Heiligen Familie.

"Das Bild der Mutter mit dem Sohn – mit dem Kind auf den Armen oder mit dem gekreuzigten Herrn im Schoß – ist Heimat für einen Christen und diese Heimat gibt Orientierung in allen Lebenslagen!", so der Kardinal in seiner Predigt. Die Suche nach Orientierung durchziehe die ganze Heilige Schrift, den Weg des Volkes Gottes zu allen Zeiten. Doch Gott gehe oft weit über die Vorstellungen des Menschen hinaus, weshalb er nicht auf ein Bild oder einen Ort reduzierbar sei, sondern als der "Ich-bin-da" bezeichnet werde. Maria am Berg habe gerade in der Zeit des Nationalsozialismus den Suchenden Orientierung geben können, was es letztlich heiße, Christ zu sein. Maria am Berg konnte in Verwirrung Heimat und Identität stiften. Gott gehöre die Kirche und wo Er und seine Mutter verehrt werden, da sei Heimat. Wer sich in dieser Haltung bewusst vor Gott hinstelle, könne kein Mensch des Hasses, des Krieges und der Spaltung sein, so der Kardinal in seiner engagierten Predigt.

Nach der feierlichen Altarweihe wurde erstmals auf dem Altar Eucharistie gefeiert. Mit dem Erzbischof standen am Altar der Rektor der Kirche, Pfarrer Thomas Frauenlob, der Guardian des Franziskanerklosters, P. Terencjan, sowie P. Heribert Niederschlag, der mit Bischof Scheele von Würzburg alljährlich einen Gottesdienst in Maria am Berg hält, und Prälat Isidor Vollnhals, heute Generalvikar von Eichstätt und vormals als Militärpfarrer viele Jahre als Gottesdienstaushilfe in Maria am Berg tätig.    

Michael Koller dankte als ehrenamtlicher Verwalter am Schluss des Gottesdienstes allen beteiligten Firmen, die zusammengewirkt haben, damit die Renovierung gelingen konnte. Besonders betonte er die Entwicklung der künstlerischen Neugestaltung, die auf Basis der Überlegungen und der Idee des Bildhauers Friedrich Koller aus Laufen im Dialog mit Kirchenrektor, Verwalter, Michael Wendl und dem Schreinermeister Stefan Maltan und seinem Sohn Joggerl eindrucksvoll umgesetzt werden konnten. Koller betonte, dass bis auf Altar, Ambo und Osterleuchter lediglich vorhandene Kunstgegenstände restauriert und neu in den Raum integriert wurden.    

"Bedenkt, was für eine große Ehre und Glück es ist, den Herrn auf eigenem Grund und Boden aufnehmen und ihm eine Wohnung bereiten zu dürfen" – mit diesem Zitat von Sophie Brandner an ihre Kinder begann Michael Koller seine Dankadresse an Kardinal Marx am Ende des Gottesdienstes. Dieses Privilegs seien sich auch die heutigen Bewohner des Untersalzbergs bewusst, was die besondere Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrer "Seimekirche" ausmache. Er dankte dem Erzbischof für die großzügige Unterstützung und die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stiftung Erzbischöflicher Stuhl von München und Freising. Besonders hob er die vielen fleißigen Hände und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hervor, die mit nicht zu erwartender Bereitschaft, ohne großes Getue Hand anlegen. Exemplarisch für diese nannte er seine Eltern, die im Hintergrund manches erledigten, was er anzettelt. Der Mesnerin Soferl Pfnür und ihrem Bruder, Josi Pfnür, dankte er, weil sie täglich für die Kirche ihrer Großeltern mitsorgen. "Es ist seit dem Tod von P. Mandl 1991 noch nie ein Gottesdienst ausgefallen", so betonte Michael Koller. Grund dafür ist sicherlich das Wirken von Soferl Pfnür, die durch ihre Kontakte und Umsicht hier federführend tätig ist. Der Dank des ehrenamtlichen Verwalters galt auch allen Spendern und Wohltätern der Kirche, ohne die vieles nicht möglich geworden wäre, namentlich nannte er auch Hans Gößl, der durch seine Sparsamkeit Geld sammelte, das er nun ausgeben habe könne. Kardinal und Kirchenrektor bekamen durch zwei Urururenkelinnen des Gründerehepaares je ein weihnachtliches Bild der Kirche und einen Alpenstrauß überreicht.

Pfarrer Frauenlob ergriff nun nochmals das Wort und dankte seinerseits auch im Namen der Gottesdienstgemeinschaft von Maria am Berg Michael Koller. "Von nix kommt nix!", meinte er launig – ohne Michael Koller als treuem Verwalter mit unerschöpflicher Kreativität, einem Durchhaltevermögen, das "einem Marathonläufer gleichkommt" und großer Verlässlichkeit wäre vieles nicht realisierbar. Sein sicheres Gespür für das Mögliche und manchmal auch scheinbar Unmögliche – wie er augenzwinkernd bemerkte – stützt die Entwicklung und Positionierung der Kirche Maria am Berg. Kardinal Marx aus der Predigt zitierend "I bin da Reinhard und do bin i dahoam!" meinte er an diesen gerichtet: "Sie haben als Erzbischof von München und Freising in Berchtesgaden eine gute Adresse und es wäre schön, wenn Sie im Sommer einfach mal zu einem Sonntagsgottesdienst kämen!". Wer weiß, vielleicht hilft der Kardinal persönlich mit, dass auch weiterhin jeden Sonntag eine hl. Messe in Maria am Berg gefeiert werden kann.

Nach zwei Stunden endete eine gleichermaßen feierliche wie kurzweilige Altarweihe in Maria am Berg. Gemäß dem Spruch "Leib und Seele gehören zusammen!" bot die anschließende Agape auf dem Kirchplatz bis in die frühen Abendstunden reichlich Gelegenheit, sich zu begegnen, Eindrücke auszutauschen und Freundschaften zu vertiefen. Ein großer Tag für die kleine Kirche Maria am Berg ging so fröhlich und heiter zu Ende.  

 

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Weitere Bilder - nachgereicht am 15.08.2018

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Bilder: Andreas Pfnür / Martin Beierl

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