Der Sonntag in weißen Gewändern

„Feste pflegen sich lange zu halten – ihre Motive weniger.“1 Gilt diese Erkenntnis des Schriftstellers Kurt Tucholsky auch für Ostern? Zumindest konnte nicht einmal die Corona-Krise dieses Fest verhindern, es hat sich gehalten. Eine ganze Woche lang wird Ostern in der Kirche gefeiert und endet mit dem sogenannten „weißen Sonntag“, dem Sonntag nach Ostern. Dieser Name – „weißer Sonntag“ – dürfte vielen Menschen noch ein Begriff sein. Aber was steckt dahinter?

Der Liturgiewissenschaftler Liobrius Olaf Lumma schreibt dazu: »Die Bezeichnung „weißer Sonntag“ ist eine etwas missverständliche Vereinfachung des Ausdrucks „Sonntag in weißen Gewändern“, lateinisch dominica in albis. Der Name verweist zurück auf die Taufe in der Osternacht, nach der die Täuflinge eine ganze Woche lang ihre weißen Taufgewänder zu tragen pflegten.« 2

Auch wenn sich das Tragen der weißen Taufgewänder nicht erhalten hat, so hatte doch der Name dieses Sonntags bestand und war fortan fest verbunden mit der Erinnerung an die eigene Taufe. Dieser Umstand sowie die Tradition an Ostern die Kommunion zu empfangen (oftmals war Ostern das einzige Mal im Jahr, an dem die Gläubigen nach der Osterbeichte die Kommunion empfingen) haben dafür gesorgt, dass sich dieser Sonntag als bevorzugter Tag für die Erstkommunion der Kinder etabliert hat.3 Unter normalen Umständen hätte im Stiftsland auch tatsächlich mit der Erstkommunion in Marktschellenberg am weißen Sonntag die Reihe der Kommunionfeiern begonnen.

Auch wenn heuer alles etwas anderes ist, so zeigt uns der weiße Sonntag dennoch, dass die Begriffe Ostern, Taufe und Kommunion zusammengehören: Ostern ist der Sieg des Lebens über den Tod, des Lichtes über die Finsternis. Jesus Christus hat Leid und Tod, hat eine tiefe Krise überwunden und besiegt und ist von den Toten auferstanden. In der Taufe werden wir Teil dieses Sieges indem Gott uns sagt: Genau wie mein eigener Sohn Jesus, bist auch du mein geliebtes Kind. Und genauso wie ich Jesus nicht habe zugrunde gehen lassen, werde ich auch dich nicht zugrunde gehen lassen. Die Kommunion ist eine innige und – im Gegensatz zur Taufe – wiederholbare Verbindung mit Jesus Christus, die uns immer wieder neu bewusst macht, dass wir zu den Erlösten gehören, dass wir vor nichts und niemandem auf dieser Welt Angst zu haben brauchen, wenn wir auf Jesus Christus und seine Kraft vertrauen. Im Johannesevangelium heißt es: „Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben.“ (Joh 6,51)

Auch wenn momentan noch offen ist, wann wir wieder die Kommunion empfangen können, ob in den Gottesdiensten oder vielleicht auch bei Hausbesuchen, so können wir uns am weißen Sonntag vielleicht doch an unsere Taufe erinnern, in der auch wir ein weißes Kleid angelegt bekommen habe. Die Farbe weiß steht für Freiheit und Freude, für Unsterblichkeit und Unendlichkeit. Als Christen dürfen wir uns freuen über die Aussicht, die uns Ostern gibt: Der Tod hat keine Macht über uns, den uns ist ewiges Leben verheißen.

Vielleicht lassen Sie auch eine Tradition aus der Antike wieder aufleben und ziehen an diesem Tag etwas Weißes an? Es ist, als ob man die Osterfreude anzieht. Der Sonntag in weißen Gewändern.

Kaplan Josef Rauffer

1 Tucholsky, Werke 1907-1935. Paris, den 14. Juli, in: Die Weltbühne, 11.08.1925, Nr. 32 (Ignaz Wrobel).
2 Lumma, Feiern im Rhythmus des Jahres: Eine kurze Einführung in christliche Zeitrechnung und Feste, Regensburg 2016, 116.
3 Muff, Art. Weißer Sonntag, in: LThK 10, Freiburg im Breisgau 32009, 1051f.

Weißer Sonntag

 


 

Gebetsvorlagen zum Weißen Sonntag

 


 

Impuls zum weißen Sonntag:

Im Kreuz ist Hoffnung

Gemeinsam mit den Dekanen der Region Süd im Erzbistum München und Freising wurde angeregt in der Karwoche ein besonderes Zeichen zu setzen. Daraus ist die Idee der „leuchtenden Kreuze“ entstanden. In Wolfratshausen, Oberaudorf und Kiefersfelden werden seit Jahren in der Fastenzeit Kreuze auf einem Berg oder Hügel beleuchtet. Bis zum Mittwoch in der Osterwoche sind diese Bilder bei Weihbischof Wolfgang eingetroffen. Diese wurden in diesem Videoclip zusammengestellt.. Die Bilder stammen aus den Pfarrverbänden und Pfarreien oder sind Namentlich ausgewiesen! Die Musik stammt vom ehemaligen Domkapellmeister Prälat Max Eham (Motette: Popule meus).

 

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