Ein Werk, das den Himmel öffnet

St.-Andreas-Chor und Mozartchor Salzburg singen Faurés "Requiem"

Der St.-Andreas-Chor gab in der Stiftskirche Berchtesgaden und in St. Antonius (Salzburg-Itzling) sein erstes Konzert unter seinem neuen Stiftskapellmeister Stefan Mohr. Zusammen mit dem Mozartchor Salzburg brachte er Werke von Gabriel Fauré zu Gehör. Lesen Sie die Eindrücke von Dieter Meister ("Berchtesgadener Anzeiger") und Gottfried Franz Kasparek ("DrehPunktKultur").

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Eine sanft tröstliche Totenmesse

Das „Requiem“ von Gabriel Fauré in der Berchtesgadener Stiftskirche

Es war ohne Zweifel ein ganz besonderes Konzert in der Stiftskirche, ein außergewöhnliches gar. Stiftskapellmeister Stefan Mohr dirigierte Gabriel Faurés „Requiem“. Optisch wie zumindest in Teilen klanglich dominierte im Altarraum ein stimmgewaltiger Chor, zusammengesetzt aus dem Mozartchor Salzburg, dem St.-Andreas-Chor Berchtesgaden und dazu noch Mitgliedern des Chorus Lux Spei aus Osaka sowie Musikern aus dem Salzburger Mozarteumorchester, unterstützt von Elke Michel-Blagrave an der Orgel. Nicht zuletzt leisteten mit der Sopranistin Justyna Ilnicka und dem Bariton Mantas Gacevicius zwei Solisten ihren Teil am homogenen Ganzen, das tatsächlich für das vielköpfig nahezu den gesamten Kirchenraum füllende Publikum zum herausragenden Musikerlebnis wurde. Mit Superlativen ist es immer so eine Sache. Sie werden gern von dicht folgenden schnell überrollt und stoßen an Steigerungsgrenzen. Diese Gefahr lauert hier wohl nicht. Das nicht gerade vom Aufführungsverschleiß bedrohte „Requiem“ von Gabriel Fauré lebt in Berchtesgaden (und vermutlich anderntags in Salzburg) von klanglich fein ausbalancierter Interpretation.

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Die Solisten bereicherten die Aufführung mit ihren wunderschönen, von schnörkellos geführten, von Klangqualität geprägten Stimmen. Der zahlenmäßig fast riesige „Dreieinigkeitschor“ sang in der Stiftskirche ehrfurchtgebietend, kraftvoll und klar. Ein Requiem findet sich im Nachlass vieler großer Komponisten. Die Totenmesse von Fauré ist anders und eigen. Der französische Musiker wollte, so steht es auch im Pressetext, „ein fried- und liebevolles Requiem“ schreiben, auch gegen die allgemeine Norm und die festgefahrenen Strukturen in der Kirche seiner Zeit. Vermutlich hat der Organist Fauré bei vielen Begräbnissen die traurige Musikbegleitung spielen müssen, so wollte er es anders. Daher kappte er den liturgischen Text, verzichtete auf den Schlussdonner und lässt sein Werk sanft ausgehen. Die Vorstellung eines rächenden Gottes war dem Komponisten keine gute. So wurde das Jüngste Gericht mit dem heraufbeschwörenden „Dies Irae“ gestrichen bis auf das „Pie Jesu“. Ein Kritiker übrigens, dem Faurés „Requiem“ nicht gefiel und der sich offensichtlich langweilte, hat einmal geschrieben: „Das nicht gerade heißblütige „Deutsche Requiem“ von Brahms ist im Vergleich mit dem Fauré-Requiem eine Chili-Schote, eine Orgie, eine unablässige Folge von unzüchtigen Eingebungen.“ Nun, auch die milden Peperoni können vielen einen außerordentlichen Genuss bedeuten.

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Im ersten Teil des Konzertes und vor einer sehr kurzen Pause waren geistliche Lieder von Gabriel Fauré zu hören, wobei das eröffnende „Tu es Petrus“ für Chor, Orgel und Bariton-Solo sowie „O Salutaris“ für Bariton-Solo und Orgel wie auch das von faszinierendem Sopran und ebensolchem Bariton mit Orgelbegleitung vorgetragene „Ave verum“ berührten -  natürlich ganz subjektiv gehört. Der oben erwähnten Text schließt mit dem ehrgeizigen Satz: "Mit der Musik wollen wir Menschen für ein einmaliges Erlebnis über Grenzen hinweg zusammenbringen.“ Es ist mit diesem Konzert ganz sicher mehr als dies gelungen.

Dieter Meister

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Vermutlich zufrieden nach einem berauschenden Konzert (v.l.): Takashi Nakamura, Leiter des Chorus Lux Spei Osaka, Mantas Gacevicius (Bariton), Justyna Ilnicka (Sopran)  sowie Stiftskapellmeister Stefan Mohr, der Leiter des St.-Andreas-Chores und des Salzburger Mozartchores ist und die Gesamtleitung der imposanten Aufführung hatte.
Foto: Dieter Meister

 

Mit verinnerlichtem Ausdruck

Die Pfarrkirche Itzling ist ein schöner, auch akustisch tauglicher Rahmen für die Konzerte des Mozartchors Salzburg. Unter der Leitung von Stefan Mohr ist die Lust auf weniger Bekanntes gestiegen. Mit Gabriel Faurés meditativem Requiem glückte ein stimmungsvoller Abend.

Stefan Mohr, der auch Stiftskapellmeister in Berchtesgaden ist, hat diesmal seinen St.-Andreas-Chor mitgebracht. Dazu kommen noch einige Gäste aus Japan vom Chorus Lux Spei Osaka. Ein internationales Chorprojekt also, das blendend funktioniert, denn Mohr ist ein perfekter Kirchenmusiker und ein animierender, sachdienlicher Dirigent dazu. Die Chöre verschmelzen zu einem Chor, der erfreulich klangschön, rein intonierend und mit merkbarer Freude die lyrischen Episteln des französischen Romantikers interpretiert. Das Stück erklingt mehr oder weniger in seiner Urgestalt, mit klein besetztem Orchester, welches von Bratschen, Celli und einem Kontrabass dominiert wird. Die wenigen Bläser stammen aus der zweiten, orchestral vergrößerten Fassung, fügen sich aber gut dazu. Eine Harfe gibt es auch, die Orgel und eine einsame Violine, deren überirdisches Solo von Rudi Hollinetz wundersam innig gespielt wird. Im Orchester – eher ist es ein Kammerensemble – dominieren Mitglieder und Gäste des Mozarteumorchesters, die eine perfekte Grundlage für die Vokalgruppen bilden.

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Da dieses ohne Apokalypse auskommende, poesievolle, anrührend schlichte Requiem nur eine gute halbe Stunde dauert, gibt es vorher noch viel Unbekannteres aus Faurés geistlichem Oeuvre zu hören. Wie später auch in der Totenmesse erfreuen die glasklar singende Sopranistin Justyna Ilnicka und der warm timbrierte Bariton von Mantas Gacevicius, die profunde Organistin Elke Michel-Blagrave und Doris Müller an der meist balsamisch klingenden Harfe. Wer kennt schon das machtvolle „Tu es Petrus“ für Chor, Orgel und Baritonsolo? Ansonsten bevorzugte Fauré intime Klangfarben und leise Atmosphäre, die sich mitunter zu bezwingend feiner Melodik verdichtet. Manchmal steht sein Lehrer Saint-Saëns Pate, manchmal befindet sich sein prominentester Schüler, Claude Debussy, mit exquisiten Klanggespinsten gleichsam auf der Türschwelle. All diese kleinen Kantaten sind herzbewegende Musik, sei es das verinnerlichte Ave Verum für Sopran, Bariton und Orgel oder das größer besetzte, doch nie auftrumpfende Tantum ergo. Herzlicher Applaus belohnte die Ausführenden. Spirituell gestärkt trat man in die föhnige, spätherbstliche Nacht.

Gottfried Franz Kasparek

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Fotos: fotodesign-strobl.at, Dieter Meister, Johannes Schöbinger, Michael Koller

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